Kreative Technikspielereien
Das Dessert des Kurses: 14 Projektideen vom KI-Spielleiter bis zur physischen KI — sortierbar nach Kosten, Aufwand, Spass, Lernwert, Datenschutz und Alltagstauglichkeit. Du wählst eines, planst es sauber und setzt noch heute Abend den ersten Schritt um.
Das Experiment
Neun Labore lang ging es um Können — dieses hier ist die Belohnung: Was baust du jetzt eigentlich damit? Unten stehen 14 Projektideen, alle mit den Bausteinen, die du im Kurs schon kennst. Die einzige Regel stammt aus dem Smart-Home-Labor: ein Projekt wählen, klein anfangen, fertig machen — der Basteltisch voller angefangener Wunder ist das häufigste Ende solcher Listen.
So liest du die Liste
Die sechs Dimensionen kommen direkt aus dem Kursauftrag. Alle Einordnungen sind redaktionelle Näherungen — grobe Grössenordnungen, keine Versprechen:
- Kosten: Grössenordnung in CHF, wenn der Kurs-Werkzeugkasten (Rechner, lokales Modell, Smartphone) schon da ist. Belegte Anker vom 03.07.2026: Raspberry Pi 5 (8 GB) ab ca. CHF 115, Elgato Stream Deck MK.2 ab ca. CHF 96 (UVP EUR 150), NVIDIA-Jetson-Einsteigerboard USD 249 / CH ca. CHF 280–290.
- Aufwand: ein Abend / ein Wochenende / mehrere Wochenenden — bis zur ersten brauchbaren Version, nicht bis zur Perfektion.
- Spass und Lernwert: je 1–5 Sterne, bewusst subjektiv.
- Datenschutz: unkritisch (keine Personendaten) / mit Überlegung (Kamera, Mikrofon oder Bewegungsdaten im Spiel — Regeln aus Labor 3 und Labor 4 gelten) / heikel (intime Daten — gerade dann gehört das Projekt lokal, siehe unten).
- Alltag: ehrliche Prognose, ob du es in einem Monat noch benutzt.
KI-Spielleiter
Dein lokales Modell erzählt ein Text-Abenteuer — Spielabend für Familie oder Freundeskreis, ganz ohne Konto und Cloud.
Bausteine: Mission 1 (+ Labor 3 fürs Vorlesen)
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Abend
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: Spielerei
Reiseassistent
Tickets, Pläne und Notizen in einen Wissensraum — unterwegs offline befragbar, auch ohne Roaming.
Bausteine: Mission 4 + KM5
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: mit Überlegung
- Alltag: gelegentlich nützlich
Kochassistent
Vorräte fotografieren, Rezeptvorschlag holen, beim Kochen diktieren statt mit Teigfingern tippen.
Bausteine: Labor 4 + Labor 3
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Abend
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: Alltagswerkzeug
Digitales Tagebuch
Abends zwei Minuten diktieren; Whisper schreibt mit, das Modell fasst die Woche zusammen.
Bausteine: Labor 3 + Mission 5
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: heikel
- Alltag: Alltagswerkzeug
Foto-Gedächtnis
Die eigene Fotosammlung mit Gesichts- und Inhaltssuche — «Strand 2019» findet, ohne dass ein Konzern mitschaut.
Bausteine: Labor 8 + Immich (quelloffen)
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: mehrere Wochenenden
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: mit Überlegung
- Alltag: Alltagswerkzeug
Haustier-Tagebuch
Webcam plus Vision-Modell protokollieren, was das Tier tagsüber wirklich treibt.
Bausteine: Labor 4 + Mission 5
- Kosten: CHF-zweistellig
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: mit Überlegung
- Alltag: Spielerei
Interaktiver Charakter
Eine Figur mit Persönlichkeit und Gedächtnis als ständiger Gesprächspartner — vom Sprachpartner bis zur Romanfigur.
Bausteine: Mission 1 + KM4-Systemprompt (Werkzeug: SillyTavern)
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: Spielerei
Intelligenter Bilderrahmen
Raspberry Pi und ein Bildschirm (oder Projektor) zeigen rotierend Fotos — die Bildunterschriften schreibt das Vision-Modell.
Bausteine: Labor 4 + Labor 8 (Raspberry Pi)
- Kosten: CHF-dreistellig
- Aufwand: mehrere Wochenenden
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: gelegentlich nützlich
Stream Deck als KI-Pult
Eine physische Taste = ein Skript: Zusammenfassung starten, Diktat aufnehmen, Agent anhalten.
Bausteine: Mission 5 + Labor 9
- Kosten: CHF-zweistellig
- Aufwand: ein Abend
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: Alltagswerkzeug
Controller und MIDI als Eingabe
Der vorhandene Gamecontroller oder ein MIDI-Keyboard steuert deine Skripte — Technik-Recycling mit Aha-Effekt.
Bausteine: Mission 5
- Kosten: CHF 0 (vorhandene Geräte)
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: Spielerei
Licht, das mitdenkt
LEDs und Lampen zeigen Agenten-Ereignisse im Raum an — der Ordnerwächter meldet sich per Farbe statt Popup.
Bausteine: Labor 6 + Mission 5
- Kosten: CHF-zweistellig
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: unkritisch
- Alltag: gelegentlich nützlich
Edge-KI-Bastelboard
Vision-Modelle auf einem eigenen kleinen KI-Board statt auf dem grossen PC — Kameraprojekte rund um die Uhr.
Bausteine: Labor 4 + Labor 8 (Jetson oder Raspberry Pi)
- Kosten: CHF-dreistellig
- Aufwand: mehrere Wochenenden
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: mit Überlegung
- Alltag: Spielerei
Physische KI: Roboterarm & Co.
Greifen, fahren, fliegen — KI trifft Motorik. Das Königsprojekt, mit denselben roten Linien wie der 3D-Drucker.
Bausteine: Labor 7 (rote Linie) + KM7
- Kosten: CHF-dreistellig
- Aufwand: mehrere Wochenenden
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: mit Überlegung
- Alltag: Spielerei
Smartwatch und Sensoren
Schritte, Schlaf, Raumklima: eigene Sensordaten lokal auswerten statt nur in der Hersteller-App anschauen.
Bausteine: Mission 5 + KM5
- Kosten: CHF-zweistellig
- Aufwand: ein Wochenende
- Spass:
- Lernwert:
- Datenschutz: heikel
- Alltag: gelegentlich nützlich
Kontrollpunkt (Teil 1, ca. 10 Min.): Sortiere die Liste nach dem, was dir gerade am wichtigsten ist — und wähle ein Projekt. Wenn du schwankst: Sortiere nach Alltagstauglichkeit; was du täglich brauchst, überlebt den ersten Enthusiasmus.
Drei Ideen näher angeschaut
Der Nullkosten-Klassiker: KI-Spielleiter
Funktioniert mit jedem lokalen Modell aus Mission 1 und ist das dankbarste Sofort-Projekt des ganzen Kurses. Kopiere diesen Systemprompt und passe das Setting an:
Du bist Spielleiter eines kurzen Text-Abenteuers auf Deutsch.
Setting: eine verlassene Berghütte im Winter.
Regeln:
- Beschreibe jede Szene in höchstens 5 Sätzen und frage dann: «Was tust du?»
- Ich spiele genau eine Figur; erfinde keine Handlungen für mich.
- Führe im Hintergrund Buch über Inventar und Zustand meiner Figur;
auf das Wort «Status» zeigst du beides.
- Nichts Grausames; jede Szene hat mindestens zwei mögliche Auswege.
- Auf das Wort «Pause» fasst du den Stand in 3 Sätzen zusammen und beendest das Spiel.
Rücksetzweg: neuer Chat, fertig. Halluzinationen sind hier übrigens kein Fehler, sondern der Motor — dieselbe Eigenschaft, vor der KM1 bei Fakten warnt, macht das Modell zum unerschöpflichen Erzähler. Und weil alles lokal läuft, hört niemand mit — auch nicht bei einem Spielabend mit Kindern.
Das Alltagswerkzeug: Foto-Gedächtnis
Immich ist eine quelloffene, selbst gehostete Foto- und Videoverwaltung (AGPL, kostenlos) mit offiziell beworbener Gesichtserkennung und semantischer Suche nach Bildinhalten — die Cloud-Foto-Magie der grossen Anbieter, nur dass die Bilder auf deinem Labor-8-Heimserver bleiben (anhand offizieller Projektseite geprüft, nicht selbst betrieben). Realistisch als «mehrere Wochenenden» eingeordnet: Server, Container-Grundwissen und Foto-Migration wollen geplant sein — dafür ist es das Projekt dieser Liste, das ganze Familien dauerhaft benutzen.
Die Lern-Maschine: das Edge-KI-Board — und ein Lehrstück
Edge-KI heisst: Das Modell rechnet direkt am Gerät («an der Kante» des Netzwerks), nicht auf einem Server. NVIDIAs Einsteigerboard (Jetson Orin Nano Super Developer Kit) kostet offiziell USD 249 (CH ca. CHF 280–290, Momentaufnahme 03.07.2026) und ist für Maker und Studierende positioniert — genug Leistung für Vision-Projekte, die rund um die Uhr laufen sollen (Preis und Zweck anhand offizieller Produktseite geprüft).
Das Lehrstück daneben: Googles Coral-Beschleuniger war jahrelang der Bastel-Standard für Edge-Vision — heute leitet die offizielle Seite auf eine neue NPU-Architektur um, die alte Hardware wird dort nicht mehr beworben, und die Community kämpft mit Treiberproblemen (offizielle FAQ und Community-Quellen, 03.07.2026). Bevor du Bastel-Hardware kaufst, gilt darum wörtlich die KM10-Gesundheits-Checkliste: letzte Releases, offene Issues, Treiberpflege — sonst kaufst du ein Museumsstück mit USB-Anschluss.
Vertiefung: Interaktive Charaktere — Werkzeug und Warnung
Für Figuren mit Persönlichkeit und Langzeit-Gedächtnis ist SillyTavern das bekannteste Werkzeug: quelloffen (AGPL), lokal installiert, verbindet sich mit lokalen Modell-Backends — Selbstbeschreibung: «LLM Frontend for Power Users» (anhand offizieller Projektseite geprüft). Genau so einordnen: Community-Projekt für versierte Hobbyisten, kein poliertes Endkundenprodukt. Der leichtere Einstieg ist ein sorgfältiger Systemprompt in LM Studio — Figur, Tonfall, Wissen, Grenzen — wie in KM4 gelernt.
Teil 2: Vom Wunsch zum Plan (ca. 15 Min.)
Nimm dein gewähltes Projekt und jage es durch den Agenten-Planer — auch wenn es kein Agent ist, zwingen dich die Fragen zu den richtigen Entscheidungen: Eingabe, Modell, Wissen, Aktionen, Berechtigungen, Not-Aus. Kontrollpunkt: Dein Plan passt auf eine Seite und beantwortet: Was ist die kleinste Version, die schon Freude macht?
Teil 3: Der erste Abend (ca. 30 Min.)
Setze heute nur den ersten Schritt um — für jedes Projekt der Liste ist das ein Baustein, den du im Kurs schon einmal gebaut hast (deshalb steht er auf jeder Karte). Beim Spielleiter ist es der Prompt oben; beim Kochassistenten das erste Vorräte-Foto ans Vision-Modell (Labor 4, Teil 1); beim Tagebuch das erste diktierte Memo (Labor 3, Teil 1).
Risiken
- Der Projektfriedhof: 14 Ideen sind eine Speisekarte, kein Menüplan. Eine fertige kleine Spielerei schlägt drei angefangene grosse.
- Veraltete Bastelanleitungen: Das Netz ist voll von Coral- und Pi-3-Anleitungen aus einer anderen Zeit. Erst KM10-Checkliste, dann kaufen — Veralterung ist in diesem Feld die Regel, nicht die Ausnahme.
- Schleichende Kosten: «Nur noch ein Sensor» summiert sich. Die Kosten-Sortierung oben hilft, ehrlich zu bleiben — Preise sind Momentaufnahmen vom 03.07.2026.
- Datensammlung aus Versehen: Ein Tagebuch-Skript oder eine Haustier-Kamera produziert schnell die privatesten Datenbestände im Haus. Speicherort, Backup und Löschregel gehören in den Plan aus Teil 2, nicht ins «später».
Erweiterungen
- Die Methode mitnehmen: Die sechs Dimensionen funktionieren für jede künftige Idee. Neue Eingebung? Erst in Kosten/Aufwand/Spass/Lernwert/Datenschutz/Alltag einordnen, dann entscheiden — das ist der bleibende Wert dieses Labors.
- Projekte kombinieren: Der Bilderrahmen zeigt Tagebuch-Zusammenfassungen, das Licht meldet den fertigen Wochenrückblick — und Projekt 3 ist das Dach, unter dem alles zusammenläuft.
- Zeigen und tauschen: Die KM10-Landkarte führt zu den Communities, in denen solche Projekte geteilt werden — inklusive der Checkliste, mit der du fremde Projekte vor dem Nachbauen prüfst.
Kurz geprüft
3 Fragen zum Festigen — Feedback kommt sofort.
Das kann ich jetzt
- Ich kann Projektideen systematisch nach Kosten, Aufwand, Spass, Lernwert, Datenschutz und Alltagstauglichkeit einordnen — auch meine eigenen.
- Ich habe ein Projekt gewählt, mit dem Agenten-Planer skizziert und den ersten Baustein umgesetzt.
- Ich kann einen KI-Spielleiter mit klaren Regeln und Not-Aus-Wort aufsetzen und weiss, warum Halluzinationen hier Feature statt Fehler sind.
- Ich prüfe Bastel-Hardware vor dem Kauf auf Projektgesundheit — und kenne mit Coral das warnende Beispiel.
- Ich weiss, welche Spielereien Kamera-, Bewegungs- oder Intimdaten berühren und welche Regeln dann gelten.