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Lokale KI lernen
Labor 5 · freiwillig

AR, VR und Mixed Reality

Display-Brillen, Kamera-KI-Brillen, VR-Headsets: Du sortierst den Brillen-Dschungel in vier klare Gerätearten, prüfst zehn Versprechen mit dem Ampel-Test — und findest heraus, wo die KI dieser Geräte wirklich rechnet. Kaufen musst du nichts.

Dauer
ca. 60 Minuten
Lernziel
Du kannst jede angebotene «KI-Brille» einer von vier Gerätearten zuordnen, Marketingversprechen in heute nutzbar / experimentell / Zukunftsvision einsortieren — und weisst, dass die KI dieser Geräte heute fast immer in der Cloud rechnet, was das für Datenschutz und Kaufentscheid bedeutet.
Voraussetzungen
KM1 (lokal vs. Cloud) · KM9 (Schnittstellenkarte: Sprach- und Bildbausteine) · Labor 4 empfohlen (Kameras und Persönlichkeitsrechte)
Kosten
CHF 0 — reines Erkundungslabor; Geräte zum Einordnen ab ca. CHF 280 (datierte Momentaufnahme)
Lernwert
★★★☆☆ (3 von 5)
Spassfaktor
★★★★☆ (4 von 5)

Das Experiment

Kaum ein Technikfeld verspricht so viel wie Brillen und Headsets — und nirgends liegen Werbung und Alltag weiter auseinander. Dieses Labor ist deshalb bewusst ein Erkundungslabor ohne Einkaufsliste: Du baust dir eine Landkarte der Gerätearten, prüfst zehn typische Versprechen mit einem Ampel-Test und stellst die Kursfrage aus KM1 an eine neue Geräteklasse: Wo rechnet hier eigentlich die KI — und wohin fliessen meine Daten? Alle Preise sind eine datierte Momentaufnahme vom 02.07.2026.

Drei Begriffe zuerst, denn sie werden ständig vermischt:

  • VR (Virtual Reality): Das Headset ersetzt deine Umgebung komplett durch eine digitale — du bist «woanders».
  • AR (Augmented Reality): Digitale Inhalte werden in deine echte Umgebung eingeblendet — du bleibst «hier», siehst aber mehr.
  • Mixed Reality (MR): Die Mischform moderner Headsets: Aussenkameras filmen deine Umgebung und zeigen sie dir im Headset als Videobild, in das digitale Objekte eingefügt werden. Dieses Durchreichen des Kamerabilds heisst Passthrough.

Die Landkarte: vier Gerätearten

Display-BrilleBildschirm zum AufsetzenKamera-KI-BrilleAuge + Ohr für Cloud-KIDisplay-KI-Brilledazu kleines Sichtfeld-DisplayVR-/MR-Headseteigener Computer am Kopfnur Anzeigeeigenständiger Computer
Je weiter rechts, desto mehr rechnet das Gerät selbst — und desto grösser, schwerer und teurer wird es.
Geräteart Was sie ist Beispiele mit Preisrahmen (Momentaufnahme 02.07.2026)
Display-Brille Ein externer Bildschirm in Brillenform, per USB-C-Kabel am Laptop, Smartphone oder einer Spielkonsole — keine Kamera-KI, kein eigenständiges Gerät XREAL One ab CHF 372 (Strasse) / EUR 399 (Aktionspreis, regulär EUR 549); Viture Luma Pro USD 499 (offizielle Shops geprüft)
Kamera-KI-Brille Normale Brille mit Kamera, Mikrofon und Lautsprechern; die KI-Auswertung läuft über das gekoppelte Smartphone in der Cloud Ray-Ban Meta Gen 2 ab CHF 429 / EUR 419; Oakley Meta ab CHF 449; Meta-Eigenmarke ab CHF 269 (offizieller Meta-Shop Schweiz/Deutschland)
Display-KI-Brille Kamera-KI-Brille plus kleines Farbdisplay im Sichtfeld (Nachrichten, Navigation, Untertitel); gesteuert per Muskelsignal-Armband Meta Ray-Ban Display USD 799 inkl. Neural Band — weiterhin nur USA: Der für Frühjahr 2026 angekündigte Start in UK/Frankreich/Italien wurde verschoben (knappe Stückzahlen, EU-Batterie- und KI-Regeln) (Fachpresse, Stand 03/2026)
VR-/MR-Headset Eigenständiger Computer am Kopf: eigene Recheneinheit, Tracking-Kameras, Farb-Passthrough Meta Quest 3S ab CHF 278 (Strasse) / USD 350; Quest 3 (512 GB) CHF 460–570; Samsung Galaxy XR USD 1’800 (UK ab 08.07.2026); Apple Vision Pro USD 3’699 — offiziell nicht in der Schweiz erhältlich, Import ab ca. CHF 3’500

Die Sinne der Geräte

Was diese Geräte können, hängt an ihren Sensoren — vier Begriffe reichen:

  • Hand-Tracking: Aussenkameras erkennen deine Hände; Quest-Headsets lassen sich offiziell ganz ohne Controller bedienen (anhand offizieller Hilfe geprüft).
  • Eye-Tracking: Innenkameras verfolgen den Blick. Vision Pro (vier Augenkameras) macht daraus das Bedienkonzept «anschauen und Finger zusammentippen»; auch Galaxy XR und PlayStation VR2 haben es (anhand offizieller Spezifikationen geprüft).
  • Räumliche Sensoren: Tiefenkameras und beim Vision Pro ein LiDAR-Scanner (misst Entfernungen per Laser-Laufzeit) vermessen den Raum, damit digitale Objekte stabil «auf dem Tisch» stehen bleiben.
  • EMG-Armband: Das Neural Band der Meta Ray-Ban Display liest Muskelsignale am Handgelenk (Elektromyografie) und übersetzt Fingerbewegungen in Befehle — tippen, ohne die Brille anzufassen (anhand offizieller Ankündigung geprüft).

Teil 1: Der Ampel-Test (ca. 20 Min.)

Der Auftrag dieses Labors in Übungsform. Nimm die zehn Anwendungen aus der Liste unten und ordne jede erst selbst einer Ampelfarbe zu: heute nutzbar (kaufbar, funktioniert für Normalsterbliche) · experimentell (existiert, aber mit deutlichen Einschränkungen) · Zukunftsvision (gutes Marketing, kein Produkt). Dann vergleiche mit der belegten Auflösung:

Anwendung Ampel (belegter Stand 07/2026)
Live-Übersetzung von Gesprächen heute nutzbar — Ray-Ban/Oakley Meta übersetzen sechs Sprachen inkl. Deutsch sogar offline per herunterladbarem Sprachpaket; weitere Sprachen nur online (offizielle Hilfeseite)
Barrierefreiheit (Sehhilfe) heute nutzbar — Be My Eyes: Freiwillige sehen auf Sprachbefehl durch die Brillenkamera (u. a. Deutschland, UK, USA — die Schweiz ist noch nicht gelistet); Envision baut ganze Vorlese-Brillen (offizielle Seiten)
Virtuelle Charaktere und Avatare heute nutzbar — VRChat ist offiziell «free forever» auf PC, Quest und weiteren Plattformen
3D-Modellierung im Raum heute nutzbar — Gravity Sketch (Gratis-Basisplan) und ShapesXR laufen auf Quest-Headsets
Fernunterstützung («sieh, was ich sehe») heute nutzbar, aber Profi-Terrain — TeamViewer Frontline u. ä. für Industrie; fürs Wohnzimmer bleibt der Videoanruf
Navigation im Sichtfeld experimentell — die Meta Ray-Ban Display kann Live-Navigation, ist aber nur in den USA erhältlich; der Europa-Start wurde auf unbestimmte Zeit verschoben
Lernassistent («Was sehe ich hier?») experimentell — visuelle Meta-AI-Fragen sind je nach Region eingeschränkt; die Quest-Hilfe nennt Meta AI mit Vision experimentell und nur für USA/Kanada
Reparaturhilfe für zu Hause experimentell — heute real: Foto machen und ein Vision-Modell fragen (Labor 4) — am Smartphone, nicht in der Brille
Schritt-für-Schritt-Anleitung passgenau im Sichtfeld Zukunftsvision für Konsumenten — die Profi-Plattform dafür (HoloLens 2) wird seit Ende 2024 nicht mehr hergestellt (offizielle Microsoft-Doku)
Die lokale, private KI-Brille Zukunftsvision — dazu gleich mehr in Teil 2

Kontrollpunkt: Zähle, wie oft du zu optimistisch lagst. Das übliche Muster: Die Grundfunktionen sind weiter, als viele denken (Übersetzung offline!), die Filmversprechen («Anleitung schwebt am Werkstück») weiter weg.

Teil 2: Die Kursfrage — wo rechnet die KI? (ca. 15 Min.)

Jetzt die Frage, die dieses Labor mit dem Rest des Kurses verbindet. Prüfe die Meta-Brillen mit der KM9-Datenschutz-Matrix — alles Folgende ist anhand offizieller Meta-Dokumente geprüft:

  1. Kontopflicht: Ohne Meta-Konto keine KI-Brille («Um AI Glasses zu nutzen, benötigst du ein Meta-Konto»).
  2. Smartphone-Kopplung: Die Brille funktioniert nur mit der Meta-AI-App auf deinem Telefon.
  3. Cloud-Verarbeitung: Sprachbefehle werden als Aufnahmen verarbeitet und laut offizieller Datenschutzerklärung bis zu einem Jahr gespeichert, ausgewertet auch «mithilfe von … geschulten Prüfer*innen» — also von Menschen. Für Quest-Headsets schreibt Meta ausdrücklich: Unterhaltungen mit der KI werden «auf den Servern von Meta» verarbeitet.
  4. Die Ausnahme: Einzig die Live-Übersetzung kann per Sprachpaket offline arbeiten — der Assistent selbst nicht.

Das ist die Cloud-Spalte deiner Datenschutz-Matrix, getragen am Gesicht: Kamera und Mikrofon zeigen auf alles, was du ansiehst — und die Auswertung passiert auswärts. Apple wirbt beim Vision Pro mit Verarbeitung auf dem Gerät (über Sekundärquellen belegt, nicht selbst geprüft), spielt aber preislich in einer anderen Liga und wird in der Schweiz offiziell gar nicht verkauft.

Kontrollpunkt: Beantworte in einem Satz: Warum gibt es die «lokale KI-Brille» im Sinn dieses Kurses noch nicht? (Eine ehrliche Antwort: Die Rechenleistung für gute Sprach- und Vision-Modelle passt heute in einen Labor-8-Heimserver, aber nicht in 50 Gramm Brillengestell — und die Hersteller verdienen an der Cloud-Bindung.)

Vertiefung: Der Umweg, der heute schon lokal geht

Wer «KI sieht mit» will, ohne Cloud: Smartphone-Foto in den Eingangsordner, lokales Vision-Modell beschreibt es — genau die Kette aus Labor 4 und Projekt 3 (Zusatzkomponente «Augen»). Das ist unbequemer als eine Brille, aber die Daten bleiben bei dir. Die Kursregel dahinter: Erst prüfen, ob der vorhandene Werkzeugkasten die Aufgabe löst, bevor neue Hardware ins Haus kommt.

Teil 3: Kaufberatung ohne Kaufzwang (ca. 10 Min.)

Falls nach dem Ampel-Test ein Wunsch übrig bleibt — so entscheidest du wie im Hardware-Finder, mit Anwendungsfall zuerst:

  • «Grosser Bildschirm für unterwegs»: Display-Brille (XREAL, Viture). Ehrlich als Monitorersatz kaufen — die «AR» im Marketing ist ein schwebender Bildschirm, keine Weltvermessung.
  • «Ich will VR und MR erleben»: Quest 3S ist der mit Abstand günstigste Einstieg (ab ca. CHF 278, Akkulaufzeit offiziell 2,5 Stunden) — inklusive Meta-Kontopflicht, die du aus Teil 2 kennst.
  • «Freihändig fotografieren, übersetzen, Musik»: Kamera-KI-Brille — mit offenen Augen für die Cloud-Bindung und die Risiken unten.
  • «Die Zukunft jetzt»: Vision Pro und Galaxy XR sind beeindruckende, teure Vorboten — als Werkzeug für konkrete Aufgaben braucht sie 2026 kaum jemand.

Risiken

  • Persönlichkeitsrechte: Für Brillenkameras gilt alles aus Labor 4 verschärft, weil die Kamera unauffällig ist. Meta setzt auf eine Aufnahme-LED und Verhaltensregeln; eine BBC-Recherche dokumentierte Anfang 2026 dutzende Fälle heimlichen Filmens, bei denen die LED niemandem auffiel oder verdeckt wurde (über Sekundärquelle belegt). Regel des Kurses: Aufnahme ansagen — die LED ersetzt das Fragen nicht.
  • Datenabfluss im Alltag: Punkt 3 aus Teil 2 gilt bei jedem «Hey Meta» — wer die Brille im Wohnzimmer trägt, nimmt Mitbewohnende und Gäste mit in die Cloud. Dieselbe Informationspflicht wie beim Dauerlauscher aus Labor 3.
  • Plattform-Sterblichkeit: Geräte dieser Klasse sind Dienste in Hardwareform. Das Lehrstück liefert Microsoft selbst: HoloLens 2 — jahrelang die Referenz für Industrie-AR — wird nicht mehr hergestellt, die zugehörige Fernhilfe-Software erreicht Ende 2026 ihr Supportende (offizielle Microsoft-Doku). Beim Kauf also fragen: Was kann das Gerät noch, wenn der Hersteller aussteigt?
  • Momentaufnahme-Preise: Alle Zahlen hier sind vom 02.07.2026 und altern schnell — Speicherknappheit treibt die Preise gerade nach oben statt nach unten.

Erweiterungen

  • Falls ein Quest-Headset im Haus ist: Probiere eine Stunde VRChat (kostenlos) oder den Gratis-Basisplan von Gravity Sketch — virtuelle Charaktere und 3D-Modellierung aus dem Ampel-Test zum Anfassen.
  • Barrierefreiheit weiterdenken: Wenn du jemanden mit Sehbehinderung kennst: Die Be-My-Eyes-Länderliste wächst — prüfen, ob die Schweiz inzwischen dabei ist.
  • Der grosse Bogen: Projekt 3 nimmt eine AR-Brille als Zusatzkomponente auf — nach diesem Labor weisst du, dass der realistische Weg dorthin heute über das Smartphone-Foto führt, nicht über ein Brillen-SDK.

Kurz geprüft

3 Fragen zum Festigen — Feedback kommt sofort.

Jemand möchte «eine KI-Brille, die alles lokal verarbeitet — wie in deinem Kurs». Was ist die ehrliche Antwort (Stand Juli 2026)?
Eine Display-Brille wie die XREAL One wird als «AR Glasses» beworben. Was kaufst du tatsächlich?
Welches der drei Versprechen ist Stand Juli 2026 für Privatpersonen wirklich «heute nutzbar»?

Das kann ich jetzt

  • Ich kann eine angebotene «Brille» sofort einer Geräteart zuordnen: Display-Brille, Kamera-KI-Brille, Display-KI-Brille oder VR-/MR-Headset — mit realistischem Preisrahmen.
  • Ich prüfe Marketingversprechen mit dem Ampel-Test und weiss, was heute nutzbar, experimentell oder Zukunftsvision ist.
  • Ich kann belegen, dass die KI aktueller Brillen in der Cloud rechnet (Konto, Kopplung, Server-Verarbeitung) — und kenne den lokalen Umweg über Smartphone und Vision-Modell.
  • Ich kenne die Risiken Kamera-am-Gesicht, Datenabfluss und Plattform-Sterblichkeit und kann einen Fehlkauf begründet vermeiden.