KI und Smart Home
Lampen, Sensoren und Sprachbefehle ohne Hersteller-Cloud: Du machst die Bestandsaufnahme deines Zuhauses, planst eine lokale Zentrale mit Home Assistant und verstehst, wo deine lokale KI andocken darf — und welche Geräte sie besser nie steuert.
Das Experiment
Smart Home heisst: vernetzte Haustechnik — Lampen, Steckdosen, Sensoren, Heizung, Kameras — wird zentral gesteuert und automatisiert. Die unbequeme Realität: Die meisten Fertiggeräte reden dafür mit der Cloud ihres Herstellers. Jeder Lichtschalter-Tipp geht einmal um die halbe Welt, und wenn der Hersteller den Dienst einstellt, wird aus der smarten Lampe eine normale. In diesem Labor drehst du das um: Du prüfst, wie cloud-abhängig dein Zuhause heute ist, und planst eine Zentrale, die bei dir wohnt — mit denselben Argumenten (Privatsphäre, Kontrolle, Ausfallsicherheit), die dich in KM1 zur lokalen KI gebracht haben. Kaufen musst du für dieses Labor nichts.
Der Baustein: Home Assistant (Stand Juli 2026)
Home Assistant ist die freie Smart-Home-Zentrale aus der KM6-Werkzeuglandschaft: quelloffene Software, die auf deiner eigenen Hardware läuft, Geräte hunderter Hersteller unter einem Dach vereint und Steuerung wie Daten lokal hält. Auch die Sprachsteuerung («Assist») läuft auf Wunsch komplett im Haus — die offizielle Doku verspricht: deine gesprochenen Befehle verlassen dein Zuhause nie; als Bausteine dienen Whisper und Piper, die du aus Labor 3 bereits praktisch kennst (anhand offizieller Doku geprüft).
Die offiziellen Einstiegswege (Installationsseite geprüft; Preise: datierte Momentaufnahme vom 02.07.2026, Strassenpreise Schweiz via Toppreise):
| Weg | Kosten | Für wen |
|---|---|---|
| Home Assistant Green — Fertig-Hub, Software vorinstalliert | ca. CHF 179 / EUR 179 (UVP; USD 199) | Einstecken statt basteln — offiziell der einfachste Weg |
| Raspberry Pi 4 oder 5 (ab 2 GB RAM) | falls vorhanden: CHF 0; Preise → Labor 1 | Bastelfreudige mit Pi in der Schublade |
| Virtuelle Maschine auf dem vorhandenen Rechner | CHF 0 | Probelauf ohne jede Anschaffung — aber kein Dauerbetrieb, solange der Rechner nicht durchläuft |
| Mini-PC / Heimserver | → Labor 8 | wer später KI-Modelle und Zentrale auf demselben Gerät will |
Dazu passend, aber optional: Home Assistant Voice Preview Edition (ca. CHF 64.90 / EUR 59, UVP USD 69) — ein kleiner Tisch-Sprachassistent mit physischem Mikrofon-Stummschalter, der ausschliesslich mit Home Assistant spricht, in über 50 Sprachen inklusive Deutsch (anhand offizieller Produktseite geprüft, nicht selbst getestet).
Funk-Babylon: vier Wörter, die beim Gerätekauf fallen
Smart-Home-Geräte funken unterschiedlich — diese vier Begriffe reichen für informierte Kaufentscheide:
| Standard | In einem Satz | Einordnung |
|---|---|---|
| WLAN | Das Heimnetz, das du schon hast | bequem, aber stromhungrig — nichts für Batteriesensoren |
| Zigbee | Etablierter Sparfunk: Geräte bilden untereinander ein Maschennetz | riesige Geräteauswahl (IKEA, Hue u. a.); braucht einen Funkstick an der Zentrale (Einordnung: Allgemeinwissen, als Näherung zu verstehen) |
| Thread | Der modernere Sparfunk, gleiche Grundidee | Basis vieler neuer Matter-Geräte |
| Matter | Kein Funk, sondern eine gemeinsame Sprache: Standard von Amazon, Apple, Google, Samsung u. a. für herstellerübergreifende, lokale Steuerung — transportiert über WLAN oder Thread | (anhand der offiziellen Standard-Seite geprüft) — löst aber nicht alles: alte Geräte sprechen es nicht |
Praktische Folge für den Green: Zigbee- und Thread-Geräte brauchen den separat erhältlichen Funkstick (Connect ZBT-2) — reinen WLAN-/Matter-Geräten genügt das Netzwerk (anhand offizieller Produktseite geprüft).
Teil 1: Bestandsaufnahme — wie cloud-abhängig wohnst du? (ca. 20 Min.)
- Inventar: Liste alles, was in deiner Wohnung «smart» ist — auch Halbvergessenes (Fernseher, Staubsauger, Türklingel, Lautsprecher, Steckdosen, Glühbirnen).
- Drei Spalten pro Gerät: Wie steuere ich es? (App, Sprachassistent, Schalter) · Wessen Cloud? (Hersteller-Konto nötig?) · Was passiert bei Internetausfall?
- Der ehrliche Test (optional): Trenne am Router testweise nur die Internetverbindung (WLAN anlassen — je nach Router-Oberfläche «Internetzugang trennen» oder kurz das Modemkabel ziehen) und probiere die Geräte durch. Rücksetzweg: Verbindung wieder aktivieren bzw. Kabel einstecken — nach ein paar Minuten ist alles wie vorher.
- Kontrollpunkt: Alles, was ohne Internet stumm bleibt, hängt an einer fremden Cloud — jedes dieser Geräte sendet im Normalbetrieb Daten nach draussen und fällt aus, wenn Internet oder Hersteller ausfallen. Diese Liste ist dein Argument (oder deine Entwarnung) für den Rest des Labors.
Teil 2: Die Zentrale planen (ca. 20 Min.)
Entscheide anhand deiner Inventarliste — dieselbe Denkweise wie im Hardware-Finder, nur eine Nummer kleiner:
- Nur neugierig, nichts kaufen: Home Assistant als virtuelle Maschine auf dem vorhandenen Rechner installieren (offiziell unterstützt für Windows, macOS, Linux). Ideal, um Oberfläche und Konzepte kennenzulernen; für den Dauerbetrieb ungeeignet, weil die Zentrale nur läuft, solange der Rechner läuft.
- Es soll einfach funktionieren: Der Green ist offiziell der einfachste Einstieg («plug and play»; die Produktseite verspricht Betriebsbereitschaft in rund 15 Minuten — Herstellerangabe, nicht selbst getestet). Stromverbrauch laut Datenblatt nur wenige Watt — dauerbetriebstauglich.
- Pi vorhanden: Home Assistant OS auf Raspberry Pi 4/5 (ab 2 GB RAM) ist ein offizieller Standardweg — Kosten nahe null, dafür SD-Karten-Gebastel und du bist dein eigener Support.
- Grosse Pläne (KI-Modelle + Zentrale auf einem Gerät): Erst Labor 8 lesen — ein Heimserver kann beides, will aber als eigenes Projekt geplant sein.
Kontrollpunkt: Du hast einen Weg gewählt und kannst in einem Satz begründen, warum — inklusive dessen, was er nicht kann.
Teil 3: Wo die KI andockt — und wo nie (ca. 20 Min.)
Jetzt die Verbindung zum Rest des Kurses. Die Automations-Pyramide einer lokalen Zentrale, von unten nach oben:
- Regeln ohne KI: «Wenn Bewegung, dann Licht» — feste Wenn-dann-Automationen der Zentrale. Sie decken den Grossteil des Alltags ab, kosten nichts und irren nie kreativ. Die Stufenregel aus Labor 9 gilt wörtlich: Was eine Regel kann, braucht kein Modell.
- Sprachsteuerung: Die Assist-Pipeline (Wake Word → Whisper hört → Befehl → Piper antwortet) läuft vollständig lokal — die Kette, die du in Labor 3 in Einzelteilen gebaut hast, hier fertig verdrahtet. Ehrliche Hardware-Erwartung aus der offiziellen Doku: Auf einem Raspberry Pi 4 dauert die Whisper-Spracherkennung um die 8 Sekunden, auf einem Intel-NUC-Klasse-Rechner unter einer Sekunde; für flüssiges Volltext-Verstehen empfiehlt die Voice-Doku mindestens die Intel-N100-Klasse. Der Green schafft dafür den fokussierten lokalen Modus (fester Befehlssatz statt Volltext) (anhand offizieller Doku geprüft).
- Sprachmodell obendrauf (experimentell): Über die offizielle Ollama-Integration kann ein lokales LLM — etwa auf deinem Labor-8-Heimserver oder dem Bastel-PC — als Gesprächspartner der Zentrale dienen: Fragen zum Haus beantworten und, wenn du es ausdrücklich aktivierst, freigegebene Geräte steuern. Die Doku selbst nennt es experimentell, warnt, dass kleine Modelle häufiger danebengreifen, und empfiehlt, einem Assistenten weniger als 25 Entities freizugeben (eine Entity ist ein einzelner Schalt- oder Messpunkt — eine Lampe, ein Sensorwert) (anhand offizieller Integrationsdoku geprüft, nicht selbst getestet).
Das ist dieselbe Berechtigungslogik wie beim Datei-Agenten aus KM7: Der Agent bekommt einen Testordner, nicht die Festplatte — das Hausmodell bekommt drei Lampen, nicht den Sicherungskasten.
Vertiefung: Warum «lokal» im Smart Home doppelt zählt
Bei der lokalen KI aus KM1 geht es um Privatsphäre und Kontrolle. Im Smart Home kommt ein dritter Grund dazu: Verfügbarkeit. Eine Cloud-Lampe fällt aus, wenn dein Internet ausfällt, wenn der Herstellerserver klemmt — oder endgültig, wenn der Hersteller den Dienst abschaltet. Eine lokale Zentrale kennt nur den ersten Fall nicht einmal: Das Funknetz im Haus funktioniert auch offline. Deshalb wirbt selbst der Matter-Standard der grossen Cloud-Konzerne mit lokaler Steuerung — bei Haustechnik ist «funktioniert nur mit Internet» schlicht ein Konstruktionsfehler.
Risiken
- Cloud-Zwang beim Neukauf: Nicht jedes «smarte» Gerät lässt sich lokal einbinden. Vor dem Kauf prüfen: Spricht es Matter oder Zigbee, oder taucht es in der Home-Assistant-Integrationsliste auf? Sonst kaufst du ein Cloud-Abo in Gerätform.
- Falsch geschaltet: Auch mit Nie-Liste bleibt Restrisiko — eine um Mitternacht aufgedrehte Stereoanlage ist harmlos, eine ausgeschaltete Tiefkühltruhe nicht. Vor jeder Freigabe die KM8-Frage: Was kostet dieser Fehler im schlimmsten Fall?
- Dauerlauscher: Ein Sprachsatellit ist ein offenes Mikrofon im Raum — auch wenn alles lokal bleibt, gehören Mitbewohnende und Gäste informiert (die Persönlichkeitsrechts-Frage aus Labor 3, der physische Stummschalter ist dein Not-Aus).
- Die Bastelfalle: Smart Home ist ein Hobby mit offenem Ende. Fang mit einem Raum und einem Anwendungsfall an, der dich wirklich nervt — nicht mit dem Komplettumbau.
Erweiterungen
- Sichtbare Flüsse: Node-RED (Katalog) ergänzt Home Assistant um visuell zusammengesteckte Automationsflüsse — der Klassiker für komplexere Logik.
- Ein Gerät für alles: In Labor 8 planst du den Heimserver, der Zentrale und Ollama-Modelle gemeinsam betreibt — dann wird Stufe 3 der Pyramide real.
- Der grosse Bogen: Projekt 3 (Multimodaler Assistent) kann deine Smart-Home-Planung als Zusatzkomponente aufnehmen — Sprache, Dokumente und Haus in einem Assistenten.
Kurz geprüft
3 Fragen zum Festigen — Feedback kommt sofort.
Das kann ich jetzt
- Ich habe geprüft, welche meiner Geräte an einer Hersteller-Cloud hängen, und kann die Folgen (Daten, Ausfall, Abschaltung) benennen.
- Ich kenne die Einstiegswege in Home Assistant (Fertig-Hub, Raspberry Pi, virtuelle Maschine, Heimserver) mit ehrlichem Preisrahmen und kann begründet wählen.
- Ich kann WLAN, Zigbee, Thread und Matter beim Gerätekauf einordnen.
- Ich weiss, in welcher Reihenfolge Automation ins Haus gehört — Regeln, dann lokale Sprache, zuletzt experimentell ein Sprachmodell mit minimalen Freigaben — und welche Geräte nie an eine KI gehören.