Mit eigenen Dokumenten sprechen
Du hängst harmlose Beispieldokumente an einen lokalen Chat und erlebst, wie die KI daraus zitiert — samt der wichtigen Frage: Woher weiss ich, dass das stimmt?
Das Ziel
Bisher wusste deine lokale KI nur, was im Training steckte. Heute gibst du ihr deine Inhalte — komplett offline-tauglich, ohne dass ein Dokument dein Gerät verlässt. LM Studio kann Dateien direkt im Chat entgegennehmen (offiziell unterstützt: .pdf, .docx, .txt — anhand der LM-Studio-Doku geprüft, Stand 02.07.2026).
Schritt 1: Ungefährliche Testdokumente wählen
Für den ersten Versuch gilt die Sicherheitsregel: Übe mit Unkritischem. Gut geeignet: eine Bedienungsanleitung als PDF, ein öffentlicher Bericht, ein selbst geschriebenes Rezept- oder Reise-Dokument. Noch nicht: Steuerunterlagen, Arztberichte, fremde Personendaten — nicht weil die Technik unsicher wäre (alles bleibt lokal), sondern weil du Fehlerbilder erst an harmlosem Material kennenlernen sollst.
Lege die drei Dateien in KI-Experimente\Eingang (dein Ordner aus
KM4).
Schritt 2: Dokument anhängen und befragen
- Frischer Chat, dein Standardmodell.
- Hänge ein Dokument an (Büroklammer-/Anhang-Funktion im Chatfeld).
- Frage konkret — und verlange Belege:
Was steht in diesem Dokument zu [dein Thema]? Zitiere die relevante Stelle wörtlich.
Erwartetes Ergebnis: Eine Antwort, die sich erkennbar auf dein Dokument stützt, idealerweise mit Zitat. Prüfe das Zitat im Original nach — Vertrauen ist gut, Nachschlagen ist Kursprinzip.
Schritt 3: Verstehen, was gerade passiert ist
LM Studio entscheidet nach Dokumentlänge (so beschreibt es die offizielle Doku):
- Kurzes Dokument → es wandert vollständig ins Kontextfenster. Beste Qualität, aber der Kontext-Preis aus Mission 3 fällt an.
- Langes Dokument → RAG: Nur die relevantesten Ausschnitte werden herausgesucht und dem Modell gereicht. Skaliert auf dicke Wälzer — aber die Antwortqualität hängt jetzt an der Suche.
Praktische Folge (Tipp direkt aus der Doku): Formuliere Fragen mit den Begriffen, die im Dokument vorkommen dürften. «Was sagt Kapitel 3 zur Garantiedauer?» findet mehr als «Was ist da so drin?».
Schritt 4: Die Grenzen austesten — absichtlich
Jetzt wirst du zum Prüfer. Stelle drei Fangfragen:
- Etwas, das NICHT im Dokument steht: «Was sagt das Dokument über den Mond?» — Gute Antwort: «Dazu steht hier nichts.» Schlechte: eine erfundene Passage (Halluzination!).
- Etwas Quantitatives: Zahlen und Tabellen aus PDFs werden beim Extrahieren gern verstümmelt — prüfe eine konkrete Zahl im Original nach.
- Etwas Verstreutes: Eine Frage, deren Antwort an zwei entfernten Stellen steht. Hier zeigt RAG seine Achillesferse: Findet die Suche nur eine Stelle, fehlt die halbe Wahrheit.
Notiere die Ergebnisse in deinem Maschinenraum-Protokoll — du baust gerade Urteilsvermögen auf, das den meisten KI-Nutzern fehlt.
Fehlerbehebung
- «Das Dokument enthält dazu keine Informationen», obwohl es sie enthält: Frage mit Dokument-Vokabular umformulieren; grosses Dokument in kleinere Teile spalten; prüfen, ob das PDF überhaupt Text enthält (gescannte PDFs sind Bilder! Testweise Text im PDF-Viewer markieren).
- Antworten dauern plötzlich sehr lange: Grosses Dokument im kleinen Kontext = viel Einlesearbeit (Mission 3 lässt grüssen). Kontextgrösse und Dokumentlänge ausbalancieren.
- Wirre Zeichen im Zitat: PDF-Extraktion fehlgeschlagen — Dokument als .txt oder .docx exportieren und erneut anhängen.
Rücksetzweg
Chat löschen — damit sind Dokument und Auszüge aus dem Programm entfernt. Die Originaldateien
in Eingang bleiben unberührt (das Prinzip «Originale nie anfassen» wird ab Mission 5 zur
harten Agentenregel).
Kurz geprüft
3 Fragen zum Festigen — Feedback kommt sofort.
Das kann ich jetzt
- Ich befrage eigene Dokumente lokal — und weiss, wann Vollinjektion, wann RAG passiert.
- Ich formuliere Suchanfragen, die der semantischen Suche Anker geben.
- Ich teste Wissensassistenten mit Fangfragen und prüfe Zitate im Original.